• WIRsein

Nach wochenlanger Regenetortur schien zu Beginn der Woche endlich die Schlechtwettermisere ein Ende zu nehmen. Zeit, dass meine Seele sich endlich vom Mantel der Winterdepression befreite und gute Laune anlegte. Wäre da nicht …
Kaum hat sich das Knöspchen Euphorie auch nur einen Weg an die Oberfläche schlagen können, war da eines dieser abscheulichen Sachen, die Hochmut schnell in den Kellern treiben können: Verstümmelte Sprache. Vergewaltigte Sprachbrocken, schreckliche Wortneuschöpfungen, unnütze Füllwörter und katastrophaler Ausdruck.

Vorbei ist die gute Laune. Wir nähern uns der sprachlosen Gesellschaft.
Wie sollen wir auch die verbale Kommunikation in ihrer Schönheit schätzen, wenn Twitter uns in 140 Zeichen zu schreiben lehrt und ICQ mit Smilies Emotionen besser ausdrücken lässt als mit Worten. Nur zeigt im realen Leben ein *lol* und die Absprache zum *we* den geistigen Tiefstand des Wortbarbaren.

Der Computer versteht uns mit einem Mausklick und WoW zocken verhindert trefflich sich nach dem Befinden der Freunde zu erkundigen. Wir stumpfen ab und das nicht nur in unserer Empathie, die Elektronik von uns nicht verlangt.

Sind wir plötzlich gezwungen, uns in die reale Welt zu begeben, greifen wir auf ausgesogene Floskeln und flache Sprüche zurück. Ganz in Politikermanier sollen leere Worthüllen sagen, was wir verlernt haben auszudrücken. Auf Sprachlosigkeit folgt Inhaltslosigkeit. Wir stehen vor einem Kommunikationsproblem.

Und da fragen wir uns, warum Jugendliche immer öfter die Beherrschung über sich verlieren, Beziehungen auseinanderbrechen und Politik kein Interesse mehr weckt?

Was dagegen hilft? Rotwein und Zeit.



4 Responses to “Ich … will dich nicht verstehen!”  

  1. Wobei manche – trauriger Weise – nicht einmal 140 Zeichen schaffen. :(

  2. Ich mag die deutsche Sprache. Umso tragischer der Fakt, dass sie immer mehr verschandelt wird.

  3. Na ja, ein wenig pathetisch, Frau schwindelFREI … erinnert mich ein wenig an – glücklicherweise lange vergangene – Stunden des Deutschunterrichts, in denen wir uns der Lektüre diverser Texte der Gesellschaft für deutsche Sprache unterziehen mussten, die in ähnlicher Weise den Jugendjargon, insbesondere die Verwendung von Anglizismen, verteufelten.

    Sprache lebt! Sie muss sich bewegen und sich natürlich vielen Einflüssen unterziehen. Dabei dürfen Bildungsniveau und Einkommensstand keine Rolle spielen – das heißt, dass sich Besserwissende gegenüber sich der Qualität und Aussagekraft von Sprache weniger bewussten Menschen nicht als SprachhüterInnen ausweisen dürfen. Wenn Sprache nicht so lebendig wäre, sprächen wir heute noch Althochdeutsch oder noch gruseligeres! Oder, um es mit den Worten einer Dozentin zu sagen: „Wir sind die SprecherInnen, wir machen die Sprache!“

  4. Nicht, dass ich etwas gegen Entwicklungen in der Sprache hätte. Aber Reden ist für mich Stil, in einer gewissen Art und Weise. Und im Leistungskurs sollte der Ausdruck schon angemessen sein ^^


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