Freitage sind stressig. Vor allem, wenn man auf die Öffentlichen angewiesen ist. Der Wochenendspendlerverkehr ist unerträglich. Noch drei Stunden Zugfahrt. Noch fast eine Stunde McDonalds-Frittenduft auf dem Hauptbahnhof. Eigentlich will ich nur einen warmen Tee. Eine erlesene Zitronenkrümelteevariante lockt im zugigen Bahnabteil. Automat defekt. Aus die Maus und kalte Hände. Typisches Frauenproblem. Neben mir schmatzt ein Kind seine Mohrrübe. Die orangenen Brocken krümeln sabberig aus dem Mund. Die Mutter riecht nach abgestandenen Alkohol. Schräg gegenüber telefoniert eine besorgte Frau: „Hast du auch abgeschlossen? Leg den Schlüssel an den abgemachten Ort.“ Noch spannender das Gespräch der Jugendlichen im Durchgangsbereich. Sie erheitern sich an einem Handyquiz. „Wie hieß die Freundin von Boris Becker?“. Keine Ahnung. „Kein Problem. Das weiß man. Das ist Allgemeinbildung.“ Aha. Oder aber der Mann, der seiner asiatisch aussehenden Frau die ersten Brocken deutsch beibringen will. Sieht aus, als hätte er sie am Flughafen abgeholt. Ich hege Vorurteile. Genug davon. Ich werde lesen. Schöne bunte Welt da draußen.

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2 Responses to “Dorfkinds Weltsicht [1]”  

  1. gut ist es da, wenn man alle drei tage bei den eltern draußen bleibt und gar nicht hin und herfahren muss, sondern wenn überhaupt mit dem auto kutschiert wird^^

  2. Ich würde auch lieber Auto fahren, aber 15 Euro für die Monatskarte sind einfach nicht zu schlagen ;) Da nimmt man dann auch mal nervliche Belastung in Kauf ^^


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