Ich fühl mich zum kotzen
• WIRsein •
Schätzungsweise 500 000 Menschen leiden in Deutschland unter Essstörungen. Etwa 10% der bekannten Fälle enden tödlich. Zu der wohl bekanntesten Essstörung gehört die Magersucht. Sie beginnt häufig mit einer ganz normalen Diät, die aber nicht mehr beendet wird. Durch die ständige Angst an Gewicht zuzunehmen essen die Betroffen immer weniger, erbrechen sich dabei sogar absichtlich.
Diese Form der Essstörung nennt man Bulimie, die häufig Hand in Hand mit der Magersucht geht. Dabei wird der Körper sehr strapaziert, ist besonders anfällig für Krankheiten. Durch das Erbrochene werden die Zähne geschädigt, Herz- und Kreislaufbeschwerden treten auf und die Muskeln bilden sich durch die drastische Gewichtsabnahme zurück. Konzentrationsstörungen treten auf, sowie Haarausfall.
Insbesondere junge Frauen sind von dieser gefährlichen Krankheit betroffen, doch im zunehmenden Maße leiden auch immer mehr Jungen daran. Geleitet vom Schlankheitsideal, dass einem in den Medien vorgelebt wird, stürzen sich immer mehr Mädchen in die Magersucht. Aber auch körperbewusste Mütter und Väter, die dem gängigen Ideal einer Frau unterliegen, tun ihren Teil dazu. Die Gesellschaft nimmt das Bild der dünnen Models an, so werden viele Untergewichtige gar nicht als solche wahrgenommen.
Durchweg wird einem in Film, Werbung und Zeitschriften das „schlanksein“ vorgelebt. Immer mehr Produkte, die beim Abnehmen helfen sollen, kommen auf dem Markt und beeindrucken mit spektakulären vorher – nachher Aufnahmen. So wog vor 30 Jahren ein Model noch knapp 8 Prozent weniger als der Durchschnitt. Heute wiegen sie 23 Prozent weniger.
Doch ab wann ist man überhaupt essgestört?
Man muss nicht erst über dem Klo hängen, um festzustellen, dass mit seinem Körper etwas nicht stimmt. Auch nicht jeder Untergewichtige ist gleich Magersüchtig.
Wenn man aber merkt, dass sich das Leben mehr und mehr um das Essen dreht, sollte man Hilfe suchen. Der berühmte Body Mass Index (BMI) kann einen dabei helfen, sein „Normalgewicht“ zu finden. Und so wird er berechnet: Das Körpergewicht in Kilogramm geteilt durch das Quadrat der Körpergröße (in Meter). Alles was unter 19 liegt, gilt als Untergewichtig. Ein BMI von 20 bis 25 liegt im „Normal“-Bereich.
Doch nicht nur die Essgestörten leiden unter ihre Situation. Freunde und Familie sind nicht selten genauso besorgt. Unter dem ständigen Druck, alles richtig zu machen, opfern sie ihre Freizeit, sind ständig für den Essgestörten da. Doch genau damit tun sie weder sich, noch dem Freund etwas Gutes. Besser ist es, vorsichtig über seine eigenen Gefühle und Sorgen zu reden, denn viele Essgestörte leiden oft an Depressionen, Selbsthass und Aggressivität. Es fällt ihnen schwer, ihre Krankheit überhaupt einzugestehen. Betroffene, die unter Essstörungen leiden, sollten mit ihren Problemen nicht alleine bleiben. In vielen Großstädten gibt es professionelle Beratungsstellen, Kinder- und Jugendtelefone geben völlig anonym Auskunft. Bei über 14jährigen tritt die ärztliche Schweigepflicht in Kraft. Mediziner oder Psychologen, die einen beraten, dürfen ohne Einwilligung des Betroffenen keine Informationen an die Eltern weiterreichen.
Bild: Fotoausstellung “32 Kilo”, die im Postfuhramt an der Oranienburger Straße Berlin zu sehen ist.
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Tags: Bulimie, Essstörung, Fotographie, freiwild, Gesellschaft, Jugend, Körper, Körperbewusstsein, Krankheit, Magersucht, Model, Sucht



Name: Sophia Wilk


Die Fotoaustellung habe ich gemeinsam mit meiner magersüchtigen Freundin besucht. Soweit ich weiß, läuft die aber schon eine ganze Weile nicht mehr.
Meine Freundin ist seit über 3 Jahren in Behandlung. Aber Magersucht ist mindestens zu genauso großen Teilen auch eine Sucht, nicht nur eine Krankheit. Die Ursachen dafür sind weitaus vielfältiger, als du das hier so kurz dargestllt hast. Und die Auslöser sind noch mal um ein vielfaches verschiedener. Deshalb ist für die Behandlung nicht nur die Korrektur des Körperbildes und ein „normales Gewicht“ wichtig. Sondern auch, den Ursachen auf den Grund zu gehen, die wie gesagt über das in den Medien produzierte Schönheitsideal hinaus gehen. Was nicht heißen soll, dass die nciht ihren Teil dazu beitragen.
Im übrigen ist die berliner Frau im bundesdeutschen Durchschnitt angeblich die Dünnste.
Kann dir nur zustimmen, das Magersucht und Bulimie weitaus komplexer sind, als es der Artikel hergibt. Dafür habe ich über die Jugendarbeit schon zu viele Sachen erlebt. Ich finde, es zunächst wichtig, auf Personen mit Gewichtsproblemen aufmerksam zu werden. Die Grenzen vom dünnsein, hin zur Störung sind fließend und nicht selten schwer zu erkennen. Der Blick ist vielmals auch gar nicht mehr dafür geschärft, einfach, weil schlank und übermäßig schlank sein Ideale sind, denen mehr und mehr nachgeeifert wird.