• MACHTLOSsein

Es gibt Tage, an denen man einfach nur die Hände über dem Kopf zusammenschlagen kann.

Aus Tage werden Wochen.

Wenn sich Unmut einschleicht und Resignation die Runde macht, ist es an der Zeit, zu hinterfragen.

Was ist es, das brandenburger Abiturienten hinter bayrische Mitstreiter stellt?

Das Bildungssystem.

    Ein Kurs. 15 aufgebrachte Gymnasiastinnen. Und mitten drin ein großes Fragezeichen.
    Sie fühlen sich ungerecht behandelt. Zurecht?

Bereits mit dem Schulwechsel auf die weiterführende Bildungsstätte musste der Jahrgang Abstriche machen. Statt dem dreisprachigen Angebot wurde Latein als Wahlpflichtfach gestrichen.

Lehrermangel.

Interessierte wurde kurzfristig nach der Bewerbungsphase informiert und in die Russisch- oder Französischkurse aufgeteilt.

Vier Jahre später die nächste Enttäuschung. Die Wahl der Leistungs- und Grundkursfächer stand an. Der erste Schritt in die spätere Spezialisierung. Hier werden Grundlagen gelegt, Kenntnisse vertieft, Fächer abgewählt.
Doch wurden längst Möglichkeiten der Belegung ausgeschlossen, allein auf Basis der Ahnung, eventuell keine Schüler für den Kurs zu bekommen. Ein sicher entstehender Geographie-Leistungskurs wurde somit die Grundlage genommen.
Ähnliches Problem: Sportkurs der Mädchen. Zwischen Leichtathletik, Geräteturnen und Schwimmen konnte eine Entscheidung getroffen werden. Nur: Auch hier wurde im Voraus Schwimmen gestrichen.

    „Das ließen wir uns nicht gefallen. Wir schrieben Rundmails und suchten die notwendigen 15 Mädels für den Kurs zusammen. Wir hatten es geschaft“

Engagement und endlose Diskussionen mit der Schulleitung brachte die jungen Frauen endlich ans Ziel. Schwimmen wurde nun auch, neben dem selbstverständlich stattfindenden Schwimmkurs der Männer, für die Frauen genehmigt. Es schien zu gelingen.

Nun, ein Jahr später, die bittere Enttäuschung. Kurz bevor es in die Halle gehen sollte, wurde der Kurs aufgelöst. Anweisung „von oben“.
Mehr zufällig erfahren die Mädchen, dass der Kurs, für dessen Entstehung Wochen gekämpft wurde, gestrichen wird.

Ursache: Lehrermangel. Die beiden prädestinierten Pädagoginnen wurden anderweitig eingesetzt. Der sich mit sechs Rettungsschwimmern zusammensetzende Kurs kann nicht abgesichert werden.

    „Was ist daran schon gerecht? Andere Schulen in Brandenburg haben eine außerordentliche Palette an Angeboten für die Schüler. Interessen werden gefördert und Jugendliche in ihrer Entwicklung unterstützt. Wir sind ein Bundesland und doch gibt es schon an unserer Schule gravierende Unterschiede. Ist das noch fair?“

Ende Mai war der brandenburgische Bildungsminister Holger Ruprecht in dem Gymnasium. Auch er nahm Stellung zu der Problematik. Doch eine wirkliche Lösung konnte auch er nicht geben.

In Berlin steigen die Schülerinnen und Schüler in die S-Bahn und sind nicht auf das nächstbeste, in der Nähe liegende Gymnasium angewiesen. Werden dort die Leistungskurse nicht den Interessen entsprechend angeboten, wird eine andere Schule angefahren. Doch im Flächenland Brandenburg geht das nicht.

Ist das noch Chancengleichheit? Hat hier jeder das gleiche Recht auf Bildung?

    „Wir geben nicht auf. Noch nicht!“

Foto: JUGENDFOTOS / swordfish



6 Responses to “Chancengleichheit?”  

  1. nicht aufgeben…aber manchmal würd man doch gern alles hinschmeißen ..oder?
    Ich hoffe ihr hab noch den einen oder anderen Erfolg..
    LG

  2. 2 Fine

    und wie du Recht hast…
    Super dass du sowas veröffentlichst.

  3. @ bonafilia: Es enttäuscht einfach nur, dass man irgendwann vor vollendeten Tatsachen gestellt wird und quasi nichts mehr machen kann … Aber aufgeben? So schnell noch nicht ;)

    @ Fine: Wir machen einfach weiter :)

  4. Tja, so „demokratisch“ ist eben unser Schulsystem. Ich habe da selbst in den höheren Gremien leider genau die selben Erfahrungen gemacht. Was Schüler wollen ist einfach irgendwie nicht so… wichtig.

  5. Bei uns war zwar eine große Auswahl an Fächer und man konnte in der SV auch echt was reißen – aber nur wenn die Schulleitung auf deiner Seite stand und kräftig reinreden konnte.

  6. 6 Schaps

    Auf dem Gymnasium auf dem ich war gab es auch eigentlich alles. WIr konnten uns nicht beklagen. Und in der Umgebung gabs auch keine wirklichen Ausweichmöglichkeiten. Wie es jetzt auf der Schule ist weiß ich nicht genau. Das System mit den Leistungskursen wurde irgendwie umgestellt, aber das Angebot ist glaub ich noch genauso gut.


Leave a Reply